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Abstracts und Vorträge
Fachtagung ViFa Recht - AjBD 2010


Open Access aus Sicht einer großen Wissenschaftsorganisation

Große Wissenschaftsorganisationen in Deutschland vereinen Einrichtungen und Institutionen vieler unterschiedlicher Fachgebiete und Disziplinen unter einem Dach. Einige davon verfolgen bereits eigene, fachbezogene Strategien in Richtung Open Access, denn wissenschaftliche Studien belegen, dass eine fächerorientierte Bündelung und Bereitstellung von Dokumenten in Repositorien in der Regel eine höhere Relevanz und Sichtbarkeit erlangt und diese somit von Nutzern eher wahrgenommen und angesteuert werden. Nicht nur aus politischer Sicht ist es für eine Wissenschaftsorganisation dennoch höchst signifikant, die Publikationen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem institutionellen Kontext präsentieren zu können.
Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. ist ein Zusammenschluss von 86 Einrichtungen, die Forschung betreiben oder wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Mit der Verabschiedung ihrer Open-Access-Leitlinie in 2007 wurde ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Berliner Erklärung getan, der den freien Zugang zu wissenschaftliche Publikationen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz-Einrichtungen fördert. Für diesen Zweck wird derzeit eine verteilte Repository-Infrastruktur aufgebaut, bei der sich die institutionelle Gesamtsicht auf die Publikationen aus den Fach-Repositorien speist, die bereits durch Leibniz-Einrichtungen betrieben werden. Informationseinrichtungen mit nationalem Auftrag stellen sowohl technische Infrastruktur als auch organisatorische Unterstützung für die Leibniz-Institute bereit, so dass sich dort der notwendige Aufwand zum Einpflegen von Publikationen in ein Repository minimiert, gleichzeitig aber eine überregionale und internationale Sichtbarkeit der Open Access-Publikationen und Nachhaltigkeit der Dienstleistung erreicht wird.
Vortrag (PDF)

Referent:
Benjamin Zapilko, GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften


Der Dokumenten- und Publikationsservice der Virtuellen Fachbibliothek Recht

Die Virtuelle Fachbibliothek Recht bekennt sich im Zusammenhang mit ihrer Zielsetzung, ein zentrales Portal für die rechtswissenschaftliche Recherche im World Wide Web zu sein, ausdrücklich zur Idee des Open Access, also des kostenfreien und im Rahmen des geltenden Urheberrechts ungehinderten Zugangs zu rechtswissenschaftlichen Dokumenten und Quellen im Internet. Folgerichtig baut die Virtuelle Fachbibliothek Recht im Rahmen ihrer abschließenden Förderphase auf dem deutschen Informationsmarkt einen Publikations- und Dokumentenservice in Gestalt eines fachlichen Repositoriums auf.
Der Beitrag schildert die konzeptionellen Grundlagen des künftigen Dienstes sowie die notwendigen Vorarbeiten und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge.

Referenten:
Armin Talke, Staatsbibliothek zu Berlin / Sondersammelgebiet Recht / ViFa Recht
Angela Pohl, Staatsbibliothek zu Berlin / ViFa Recht
Dorit Lange, Staatsbibliothek zu Berlin / ViFa Recht
Vortrag (PDF)


Die Zukunft der Portale im Hinblick auf Dokumentpräsentation und –verwaltung

Im Vergleich zur rasanten Entwicklung von Suchmaschinentechnik außerhalb der Bibliotheksszene haben sich die weitgehend Printmedien-basierten OPACs der Bibliotheken seit dem Jahr 2000 nur wenig inhaltlich weiterentwickelt. Aus diesem Grunde sind derzeit an vielen Stellen Initiativen von Bibliotheken zu beobachten, die im Rahmen von Eigenentwicklungen neue Wege der Katalogsuche und Trefferpräsentation ausprobieren. Dabei spielen Anregungen aus der nichtbibliothekarischen Suchmaschinenszene und dem Kontext des Web2.0 eine wichtige Rolle. Der Katalog emanzipiert sich dabei vom simplen Abfrageinstrument in Richtung eines Navigationssystems zur Unterstützung von assoziativen Entdeckungsprozessen. In Bibliotheken aufgebautes Know-How im Bereich Suchmaschinentechnik ermöglicht den Aufbau aktueller Online-Services und die Aufbereitung und Präsentation bibliographischer Metadaten in zeitgemäßer Weise, optimal zugeschnitten auf den lokalen Einsatz am Campus vor Ort. Unter dieser Voraussetzung betreibt die SuUB Bremen die Elektronische Bibliothek als Experimentierfeld für neue Dienste und Katalogfunktionen – das Angebot ist dabei gleichzeitig Testumgebung und Produktionssystem und wickelt täglich ca. 25.000 Suchenanfragen ab: e-lib

Referent:
Dr. Martin Blenkle, e-Lib Bremen
Vortrag (PDF)
Vortrag (PPS)


Freies Elektronisches Publizieren im Internet – Herausforderungen an den Datenschutz

Elektronische Publikationen im Internet werfen datenschutzrechtliche Fragen auf zwei Ebenen auf: zum einen ist die Frage nach den datenschutzrechtlichen Grenzen zu beantworten, die jeder Autor im Netz zu beachten hat. Diese unterscheiden sich nicht wesentlich von den in der realen Welt bestehenden Grenzen. Schwieriger ist die Frage nach der Durchsetzung dieser Grenzen im Cyberspace zu beantworten. Das Netz ist zwar kein rechtsfreier Raum, aber die Rechtsdurchsetzung erfolgt durch nationalstaatliche Behörden und Gerichte. Das wirft rechtliche und praktische Fragen auf, die teilweise noch nicht befriedigend beantwortet sind.
Mindestens ebenso wichtig wie die Frage nach den datenschutzrechtlichen Restriktionen auf der Autorenseite ist die Frage, inwieweit elektronische Publikationen auch überwachungsfrei rezipiert werden können. Der Datenschutz des Lesers ist heute stärker gefährdet denn je. Sowohl die staatliche Vorratsdatenspeicherung wie auch Projekte wie Google Books machen deutlich, dass ein explizites Mediennutzungsgeheimnis dringend garantiert werden muss. Verfassungsrechtlich lässt es sich schon heute aus der Meinungs- und Informationsfreiheit ableiten.

Referent:
Dr. Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit
Vortrag (PDF)


RFID – moderne Technik mit Tücken

Ist die Einführung der RFID in Bibliotheken ein „Muss für alle Kunden“ oder gebietet es die bibliothekarische Ethik, vor dem Einsatz einer komplexen neuen Technologie genauer zu prüfen, welche weitreichenden Folgen diese für MitarbeiterInnen, BenutzerInnen und Gesellschaft mit sich bringt und ob sich die mit ihr verbundenen Risiken zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt realistisch einschätzen lassen?
Während Bürger und Bibliotheksbeschäftige sich in einzelnen Regionen der USA (San Francisco) erfolgreich gegen die Einführung von RFID wehren und die American Library Association in ihren Richtlinien festhält, dass den Bürgern Wahlfreiheit bei der Art der Verbuchung zugebilligt werden sollte, rollt die Welle der RFID-Einführungen in bundesdeutschen Bibliotheken ungebremst weiter, ohne dass datenschutzrechtliche Fragen und andere Folgeerscheinungen hinreichend diskutiert werden.

Referent:
Frauke Mahrt-Thomsen, Akribie – Arbeitskreis kritischer BibliothekarInnen
Vortrag (PDF)


Urheberrechtliche Probleme im Zusammenhang mit dem „Elektronischen Lesesaal“

Elektronische Lesesäle gibt es schon lange und mit Erfolg. Probleme gibt es erst seit Kurzem, seit der neue § 52b UrhG 2008 in Kraft trat, der doch alles erleichtern sollte. Originäre elektronische Medien, die lizenziert vom Verlag angeboten werden, sind das eine Angebot in Elektronischen Lesesälen, dass andere, von der Bibliothek selbst digitalisierte analoge Bestände und vor allem deren Wiedergabe. § 52b UrhG gestattet den Bibliotheken und Archiven ihre Bestände ohne Zustimmungserfordernis selbst zu digitalisieren und ausschließlich in den Räumen der Bibliothek zu privaten Forschungszwecken ihrer Nutzer wiederzugeben. Mehr soll die neue Norm nicht umfassen, wie erst im Dezember 2009 das OLG Frankfurt (M) entschied. Kein Recht auf Papierkopie und schon gar nicht die Herstellung einer digitalen Kopie durch den Nutzer. Noch steht nicht fest, ob der Musterprozess weitergeht. Dessen ungeachtet darf der Nutzer aber die analoge Vorlage, selbst in die Hand nehmen und sich davon rechtmäßig nach § 53 UrhG eine digitale Kopie herstellen, sogar herstellen lassen, wenn er mit der Kopie keinen kommerziellen Zweck verfolgt. Der Bibliothek ist es bereits nach § 53 Abs. 2 Nr. 2 UrhG gestattet, ihre Bestände zu Archivzwecken zu digitalisieren und so ein digitales Archiv aufzubauen, sie benötigt den § 52b dazu gar nicht. Sollte § 52b UrhG demnach nur regeln, dass man sich das ansehen darf, was man nach § 53 UrhG vervielfältigt hat? Gegenstand des Vortrages ist die Erläuterung von urheberrechtlichen Handlungen und Angeboten im Sinne eines Elektronischen Lesesaals.

Referent:
Prof. Dr. Gabriele Beger, SUB Hamburg
Vortrag (PDF)


Plagiatsuche für Open Access

Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wählen eine Open Access Publikation ihrer Arbeiten. Ein Beweggrund hierfür kann eine erhöhte Sichtbarkeit der eigenen Arbeit sein. Frei zugängliche Texte können jedoch leicht per Copy & Paste in Arbeiten Dritter übernommen werden, ohne dass die eigene Leistung der ursprünglichen Autoren sichtbar wird. In der freien Zugänglichkeit liegt jedoch auch der große Vorteil einer Open Access Veröffentlichung, auch im Hinblick auf den Schutz der eigenen Arbeit. Gerade frei verfügbare Texte bieten die Möglichkeit, Plagiate relativ mühelos durch den Einsatz automatisierter Techniken zu entdecken. Das Projekt Open Access PlagiatSuche (OAPS) hat zum Ziel, die Integrität des Open Access Datenbestandes mittels Verfahren der Plagiaterkennung zu verbessern und als Dienstanbieter im World Wide Web ein Werkzeug zur automatisierten Plagiaterkennung im OA-Umfeld bereitzustellen. Hierfür werden Verfahren entwickelt, die den gesamten deutschen und international verfügbaren OA-Bestand für Plagiatrecherchen kontinuierlich aufbereiten und als deutschen Dienst weltweit anbieten.

Referent:
Dr. Jens Brandt, OAPS - Open Access PlagiatSuche
Vortrag (PDF)


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Letzte Änderung: 15.03.2010 10:45 dl

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